Blogs sind eine feine Sache. Bei Anbietern wie WordPress.com kann man in wenigen Minuten ein eigenes Blog einrichten, das hübsch aussieht und in dem man ohne große Mühe seine Gedanken veröffentlichen kann. Wenn man einmal damit angefangen hat, geht das Schreiben von Beiträgen rasch von der Hand. Ein Titel – ein paar Zeilen Text – “Veröffentlichen” – fertig. Klingt einfach – und ist es auch und alle sind glücklich. Oder?

  • Nach einem Streit mit dem besten Freund ist es doch herrlich befreiend, wenn man den ganzen Frust mal aufschreiben und rausschicken kann. Danach fühlt man sich doch gleich besser.
  • Und der bescheuerte Englisch-Lehrer hat sowieso verdient, dass mal jemand öffentlich macht, wie miserabel sein Unterricht ist.
  • Und neulich habe ich endlich die neue Spielkonsole gekauft. Die Fotos vom Auspacken und den ersten Spielrunden stell ich gleich mal online …

Spätestens jetzt solltet Ihr stutzig geworden sein. Denn natürlich ist es einfach, ein Blog einzurichten und Beiträge zu posten, aber genau darin liegt auch ein Risiko. Die Einfachheit verführt unter Umständen dazu, unbedacht Dinge zu veröffentlichen, die weitreichende persönliche oder rechtliche Folgen haben. Daher ist beim Bloggen einer der wichtigsten Grundsätze:

Think before you post. — Denk nach, bevor Du etwas veröffentlichst.

  • Es ist etwas völlig anderes, in einem Streit jemandem etwas mündlich “an den Kopf zu werfen” oder es für alle Welt sichtbar im Blog zu veröffentlichen. Im zweiten Fall wird die persönliche Verletzung viel gravierender und die Freundschaft ist vielleicht ein für alle Mal ruiniert.
  • Die öffentliche Kritik am Englischunterricht könnte sogar rechtliche Folgen haben und in der Schule disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen. Je nach Zusammenhang könnte auch so etwas dabei heraus kommen:

    Rauswurf nach beleidigendem Kommentar in Facebook

    Ein unbedachter Kommentar in Facebook über den Chef hat hier direkt zum Rauswurf geführt – der erfolgte gleich per Kommentar ebenfalls in Facebook. Ob dieses Beispiel so stattgefunden hat oder gestellt ist, konnte ich nicht herausfinden. Dennoch ist die grundlegende Situation nicht abwegig.

  • Veröffentlichte Fotos erlauben besonders tiefe Einblicke in Dein Privatleben, so dass böswillige Menschen sich unter Umständen ein sehr genaues Bild davon machen können, wofür Du Dich interessierst, wo Du  wohnst, wo Du zur Schule gehst etc. All das möchte man sicherlich nicht jedem x-beliebigen Menschen zugänglich machen.

Dieses Video bringt die Risiken schön auf den Punkt.

Was gibt es zu beachten?

1. Persönlichkeitsrechte wahren — Jeder Mensch hat gesetzlich geschützte Persönlichkeitsrechte. Dieser Beitrag bei iRights erklärt, worin diese bestehen und worauf man achten muss. Urheber- und Persönlichkeitsrechte in sozialen Netzwerken

2. Datensparsamkeit — Grundsätzlich sollte man sich fragen, welche persönlichen Daten man mit der Welt teilen möchte und welche nicht. Gerade wenn man erst anfängt zu bloggen, sollte man lieber etwas “zu anonym” vorgehen als zu persönlich.

Man kann zum Beispiel über Erlebnisse reflektieren (was bedeutet das?), ohne die Namen der Beteiligten zu nennen.  Außerdem kann man den eigenen Namen und Orte an denen sich beschriebene Erlebnisse abgespielt haben durch allgemeine Wörter ersetzen (z.B. „in der Stadt“ anstatt „in Müllheim“).

Mit der Zeit erarbeitet man sich etwas mehr Hintergrundwissen über die “Verhältnisse” im Netz und kann dann auch besser einschätzen, welche persönlichen Einblicke man gewähren möchte und welche nicht. Für den Anfang ist es empfehlenswert, mit konkreten Daten zurückhaltend zu sein.

(Das Gleiche gilt übrigens auch für social networks wie SchülerVZ oder Facebook. Dieser Artikel in der ZEIT thematisiert die Preisgabe von Daten in sozialen Netzwerken: Ein Schatz für Werbekunden. Bei einem Blog ist die Situation etwas anders, weil man üblicherweise nicht so viele Einzelheiten von sich einträgt wie z.B. im SchülerVZ, dennoch existieren die dort angesprochenen Risiken in ähnlicher Weise.)

3. Urheberrecht — Wann immer man etwas postet, das man nicht selbst geschrieben, fotografiert oder gefilmt hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man das Urheberrecht verletzt. (Und bei den selbst fotografierten und gefilmten Inhalten ist das oben genannte Persönlichkeitsrecht evtl. abgebildeter Personen zu beachten). Worauf es beim Urheberrecht ankommt, erklärt die Website iRights. (Der oben bereits angegeben Beitrag liefert eine gute Einführung.)

Fazit

Bloggen kann viel Freude machen, wenn man Texte bewusst schreibt und diese mit Bedacht veröffentlicht. Dann kann das Schreiben die eigenen Gedanken klarer ausformen und im Austausch mit Lesern können wertvolle Diskussionen entstehen.

Der Grundsatz Think before you post hilft, dass man nichts veröffentlicht, was man später bereuen muss.

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