[UPDATE 28.04.2017] Dieser Blogpost ist schon etwas älter. Ich habe inzwischen einen weiteren Beitrag zum Urheberrecht geschrieben, der die Grundlagen auch mit Hilfe zweier Videos erklärt: Grundlagen des Urheberrechts


Blogs sind dazu da, dass man Gedanken, Ideen, Informationen aufschreibt. In Textform. Blogs sind ein Textmedium (Foto- und Video-Blogs ausgenommen).

Aber auch in einem von Text geprägten Blog möchte man vielleicht die Botschaft des Textes mit einem Bild verdeutlichen, den Text mit einem ausdrucksstarken Foto illustrieren.

Für den Artikel über die Führerscheinprüfung ist mit wenigen Klicks bei der Google Bildersuche ein tolles Foto von einem Formel 1 Rennwagen gefunden. Tolle Bildeinstellung, der Lack des Wagens glänzt in der Sonne, das Auto gestochen scharf, der Hintergrund wegen der hohen Geschwindigkeit etwas verschwommen. Wirklich toll fotografiert.

Dieses Foto sieht so toll aus, weil es mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem professionellen Fotografen geschossen wurde. Dieser verdient sein Geld mit solchen Fotos und darum verschenkt er sie nicht. Das Foto ist daher ziemlich sicher nicht zur freien Verwendung durch jeden beliebigen Internetnutzer freigegeben.

Wie verdient man mit kreativen Werken Geld?

Jedes kreative Werk wie z.B. ein Foto, ein Lied oder ein Film, aber natürlich auch Bücher, Zeitungsartikel und vieles mehr, wird in Deutschland durch das Urheberrecht geschützt. Das bedeutet, dass der Urheber entscheiden darf, ob und in welcher Form sein Werk veröffentlicht und verbreitet werden darf. Wenn jemand z.B. als Fotograf sein Geld verdient, dann gewährt er normalerweise so genannte “Lizenzen” für die Verwendung der Bilder. Eine Lizenz legt genau fest, in welchem Zusammenhang und wie oft z.B. ein Foto verwendet werden darf und was das kostet. Eine Zeitschrift, die dieses Foto drucken möchte, muss also die Lizenz dafür beim Fotografen kaufen. Wenn die Zeitung das Bild auch noch auf ihrer Website verwenden möchte, muss sie eine eine weitere Lizenz erwerben. Auf diese Weise stellt der Fotograf sicher, dass er von seiner Arbeit leben kann, denn diese Lizenzen sind seine Einnahmequelle. Von diesen Einnahmen finanziert er seine Ausrüstung, die Reisekosten zu den fotografierten Events, das Entwicklungslabor, seine Miete und sein Mittagessen.

Wenn seine Fotos ohne Lizenz öffentlich verwendet werden, weil sie aus der Bildersuchmaschine einfach kopiert und in ein Blog gepostet werden, verliert der Fotograf Einnahmen. Im Extremfall muss er seine Arbeit aufgeben, weil mehr seiner Fotos ohne Bezahlung online verwendet werden und daher den professionellen Kunden vielleicht kein Geld mehr wert sind. Daher geht der Fotograf gegen den “Bilderklau” vor. Als Blogger, der ein Foto unrechtmäßig verwendet, bekommt man dann eventuell Post vom Anwalt des Fotografen – eine so genannte “Abmahnung”. In dieser wird man aufgefordert, das Foto von der Website zu nehmen. Zusätzlich muss man aber die entstanden Anwaltskosten bezahlen – das können schnell mehrere hundert Euro sein.

Manchmal sind die Profis nachsichtig mit unbedarften Bloggern und weisen ohne anwaltliche Abmahnung auf die Urheberrechtsverletzung hin. Dann reicht es, das Bild aus dem eigenen Blog zu nehmen und alles ist vergessen. Auf diese Nachsicht sollte man sich aber nicht verlassen. Bekommt man trotz allem eine Abmahnung, gibt es hier Tipps, wie man damit umgehen sollte: Abmahnung – ein Überblick für Blogger.

Unter welcher Lizenz steht das Werk?

Generell gilt: bei jedem fremden Werk, das ich in meinem Blog verwenden möchte, muss ich klären, unter welcher Lizenz es veröffentlicht wurde. Ist keine Lizenz ausdrücklich genannt, behält sich der Urheber alle Rechte vor – das heißt, ohne ausdrückliche Erlaubnis darf ich das Werk nicht verwenden.

Bei der Suche nach geeigneten Werken sind zwei Lizenzen besonders interessant, weil sie die Verwendung ohne besondere Erlaubnis ermöglichen:

  • Die Creative Commons Lizenz: Sie erlaubt ausdrücklich die Verwendung unter bestimmten Bedingungen, ohne dass man um Erlaubnis fragen muss (welche Bedingungen genau einzuhalten sind, kann man in der Regeln allgemein verständlich nachlesen, wenn man auf den Namen der Lizenz klickt). Zur Verdeutlichung hier eine Übersicht von Creative Commons Lizenzen.
  • Gemeinfreie Werke (auf Englisch: public domain): das sind Werke, die keinem Urhebberrecht unterliegen und damit frei verwendet werden dürfen.

Wie man Werke mit solchen Lizenzen findet, erklärt der zweite Teil dieses Beitrags Blogs illustrieren – Fotos finden.

Zitieren erlaubt

Ausnahmen von den oben genannten Einschränkungen für die Verwendung von Werken sind Zitate, z.B. von Texten. Diese sind in begrenztem Umfang erlaubt, sofern ich mich in meinem Text mit dem zitierten Text auseinandersetze. Wenn ich z.B. meine Meinung zu einem Zeitungsartikel schreibe, darf ich im Umfang von einigen Zeilen den besprochenen Text zitieren (unter Angabe der Quelle). Ich darf aber nicht mehrere Abschnitte am Stück wörtlich wiedergeben, ohne diese inhaltlich zu besprechen. (Ich schreibe bewusst „einige Zeilen“, denn eine klare Angabe zum erlaubten Umfang gibt es nicht).

Auch Bilder darf ich “zitieren”. Wenn ich z.B. in meinem Blog die Titelbilder von Jugendbüchern interpretieren möchte, darf ich diese Bilder in den Artikel einbinden. Der Grund ist, dass ich mit wieder inhaltlich mit der Abbildung auseinandersetze. Wenn ich hingegen das Buch selbst bespreche, darf ich das Titelbild nicht einbinden – denn dann gilt des nicht als Bildzitat, weil ich mich ja mit dem Text des Buches auseinandersetze und nicht mit dem Titelbild als solchem.

Das Urheberrecht ist kompliziert

Aus den genannten Beispielen wird schon klar, dass es nicht reicht, mal eben die Google Bildersuche anzuwerfen, um ein tolles Foto aus dem Netz in einen Blogbeitrag einzubinden. Man muss dabei einige Punkte beachten, wenn man rechtlich auf der sicheren Seite stehen will. Im Zweifelsfall sollte man lieber auf das Einbinden eines Fotos verzichten, denn schnell hat man mit einem Foto (mp3-Song, Video, Text …), das man unberechtigterweise verwendet, eine Menge Ärger am Hals.

Wie man dennoch gute Fotos findet, die man problemlos verwenden darf, erklärt der zweite Teil des Beitrags: Blogs illustrieren – Fotos finden

Advertisements